Raufasertapete Kleben Und Streichen: Anleitung Für Perfekte Wände

DIY Raufasertapete: Heimwerker bringt Tapete an und streicht Wand in hellem skandinavischem Raum Raum hel.

Raufasertapete gehört in vielen Wohnungen zur Grundausstattung, weil sie robust, zeitlos und sehr gut überstreichbar ist. Wer Raufasertapete kleben und streichen möchte, kann mit etwas Vorbereitung selbst professionelle Ergebnisse erzielen. In dieser Anleitung zeigen wir Schritt für Schritt, wie wir Wände fachgerecht vorbereiten, Raufaser tapezieren und anschließend sauber streichen, damit die neue Wandgestaltung dauerhaft schön bleibt.

Warum Raufasertapete eine gute Wahl ist

Raufasertapete besteht aus mehreren Papierschichten, in die Holzfasern eingestreut sind. Diese typische Struktur verleiht der Tapete eine dezente, aber lebendige Oberfläche. Für viele Wohnkonzepte von modern bis klassisch ist sie die erste Wahl.

Vorteile von Raufasertapete im Überblick:

  • Mehrfach überstreichbar, ideal für Farbwechsel oder Renovierungen
  • Kaschiert kleine Unebenheiten und Haarrisse im Putz
  • Relativ günstig in der Anschaffung
  • Unempfindlich gegenüber Alltagsspuren, besonders mit passender Farbe
  • In verschiedenen Körnungen erhältlich, von fein bis grob

Wer zum Beispiel nach einem Trockenbau-Projekt mit Gipskartonwänden einen belastbaren und optisch gleichmäßigen Wandbelag sucht, greift häufig zu Raufasertapete, weil sie kleine Spachtelspuren zuverlässig ausgleicht.

Untergrund prüfen und vorbereiten

Der wichtigste Schritt für haltbare Raufasertapete ist ein tragfähiger, sauberer Untergrund. Viele Probleme wie Blasen, offene Nähte oder abblätternde Farbe entstehen, weil dieser Schritt zu schnell oder gar nicht durchgeführt wurde.

Geeignete Untergründe für Raufasertapete

Raufasertapete lässt sich auf vielen Flächen verarbeiten, zum Beispiel:

  • Putz (Gips, Kalk, Zement)
  • Gipskartonplatten / Trockenbau
  • Beton
  • Alte Tapeten, sofern fest und glatt

Ungeeignet sind lose, sandende oder feuchte Untergründe. Bei sichtbaren Feuchteschäden muss zunächst die Ursache behoben werden. Ansonsten löst sich die Raufasertapete später wieder oder verfärbt sich.

Alte Tapeten entfernen oder überkleben?

Ob wir alte Tapeten entfernen, hängt von ihrem Zustand ab:

  • Lösliche Papiertapeten: Besser vollständig abnehmen, um Unebenheiten zu vermeiden.
  • Feste, glatte Vinyltapeten: In vielen Fällen mit einem Stachelroller perforieren, dann neu tapezieren.
  • Mehrere Lagen übereinander: Entfernen, da das Gewicht zu hoch wird und sich alles gemeinsam lösen kann.

Zum Entfernen von wasserlöslichen Tapeten hilft warmes Wasser mit etwas Spülmittel oder ein Tapetenablöser. Nach dem Einweichen lässt die Tapete sich meist in Bahnen mit einem Spachtel abziehen.

Wände spachteln, schleifen und grundieren

Für eine gleichmäßige Optik der Raufasertapete müssen Löcher und Risse geschlossen werden. Dabei gehen wir wie folgt vor:

  • Dübellöcher, Risse und Fugen mit Spachtelmasse verfüllen
  • Nach dem Trocknen unebene Stellen mit Schleifgitter oder Schleifpapier glätten
  • Staub gründlich abfegen oder absaugen

Bei Trockenbauwänden lohnt sich ein genauer Blick auf die Fugen und Schraubenköpfe. Wer hier unsauber arbeitet, riskiert sichtbare Linien unter der Raufasertapete. Weiterführende Hinweise zur fachgerechten Bearbeitung solcher Flächen finden sich auch in professionellen Ratgebern zum Verarbeiten von Rigipsplatten.

Im nächsten Schritt empfiehlt sich eine Grundierung, vor allem bei stark saugenden Untergründen, frischem Putz oder Gipskarton. Eine passende Tiefgrund- oder Makulaturgrundierung sorgt dafür, dass der Kleister nicht zu schnell einzieht und die Raufasertapete gut haftet. Informationen zu geeigneten Grundierungen und Anstrichsystemen finden sich zum Beispiel in den technischen Merkblättern des Bundesverbands Ausbau und Fassade.

Material und Werkzeug für Raufasertapete

Für ein sauberes Ergebnis mit Raufasertapete benötigen wir gutes Material und einige grundlegende Werkzeuge. Eine sorgfältige Auswahl erleichtert die Arbeit deutlich.

Raufasertapete auswählen: fein, mittel oder grob

Im Handel finden wir Raufasertapete meist in drei Strukturstufen:

  • Feine Raufaser: Dezente Struktur, ideal für moderne, ruhige Räume
  • Mittelgrobe Raufaser: Klassiker, geeignet für fast alle Wohnbereiche
  • Grobe Raufaser: Deutlich sichtbare Struktur, kaschiert mehr Unebenheiten

Je grober die Raufasertapete, desto stärker wirkt die Wand. In kleinen Räumen oder Fluren kann eine zu grobe Struktur schnell unruhig wirken. Wichtig ist außerdem die Qualität des Papiers: Hochwertige Raufaser verzieht sich weniger und reißt seltener.

Notwendiges Werkzeug

Für das Kleben und Streichen von Raufasertapete haben sich folgende Hilfsmittel bewährt:

  • Tapetentisch oder sauberer, langer Untergrund
  • Tapetenmesser und Schere
  • Metalllineal oder Tapezierschiene
  • Wasserwaage oder Senklot
  • Tapetenbürste oder Andrückrolle
  • Kleisterbürste oder Kleisterroller
  • Eimer, Rührstab oder Rührquirl
  • Nahtroller für die Stöße

Für den späteren Anstrich mit Farbe kommen noch Farbroller, Pinsel und ggf. Abklebeband hinzu. Wer hochwertige Lacke und Farben bevorzugt, findet beispielsweise bei spezialisierten Fachbetrieben wie regionalen Lackprofis eine gute Beratung.

Kleister richtig anrühren

Der passende Kleister ist entscheidend, damit Raufasertapete dauerhaft hält. In der Regel verwenden wir Spezialkleister für Raufasertapete oder einen Universalkleister mit Angabe “für Raufaser geeignet”.

Vorgehen beim Anrühren:

  1. Sauberen Eimer mit der benötigten Menge kaltem Wasser füllen (Herstellerangaben beachten).
  2. Kleister unter kräftigem Rühren einstreuen, nicht umgekehrt.
  3. Mehrere Minuten quellen lassen und anschließend nochmals gut durchrühren.

Die Konsistenz sollte cremig, aber nicht zu dick sein. Zu dünner Kleister führt zu schlechter Haftung, zu dicker Kleister kann Blasen bilden und sorgt für sichtbare Kleisterwülste unter der Raufasertapete.

Raufasertapete zuschneiden und vorbereiten

Bevor wir die Raufasertapete kleben, werden die Bahnen zugeschnitten. Dazu messen wir zunächst die Raumhöhe und geben 5 bis 10 Zentimeter Zuschlag für oben und unten.

Tipps zum Zuschneiden:

  • Tapetenrolle auf dem Tapetentisch abrollen, benötigte Länge anzeichnen
  • Mit Schere oder Tapetenmesser entlang eines Lineals schneiden
  • Die erste Bahn besonders sorgfältig ausrichten, sie dient als Referenz für alle weiteren

Es ist sinnvoll, mehrere Bahnen nacheinander zuzuschneiden und gestapelt bereitzulegen. Raufasertapete hat keine sichtbare Musterung, daher müssen wir nicht auf Rapportlängen achten.

Raufasertapete kleben: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Nun kommt der entscheidende Teil: das eigentliche Kleben der Raufasertapete. Wer systematisch vorgeht und ruhig arbeitet, wird mit sauberen Nähten und glatten Flächen belohnt.

1. Erste Bahn ausrichten

Wir starten nicht direkt in der Raumecke, sondern meist etwa eine halbe Bahnbreite davon entfernt. Mit Wasserwaage oder Senklot ziehen wir eine exakte, senkrechte Hilfslinie an der Wand. Diese Linie garantiert, dass die erste Bahn wirklich lotrecht sitzt. Wenn diese Bahn schief ist, setzt sich der Fehler immer weiter fort.

2. Bahn einkleistern

Je nach Produktempfehlung kleistern wir entweder die Raufasertapete selbst oder die Wand ein. Bei klassischer Raufasertapete wird meistens die Bahn auf dem Tapetentisch mit Kleister bestrichen. Die Tapete sollte satt, aber nicht tropfnass sein. Kanten und Ecken nicht vergessen.

Nach dem Einkleistern falten wir die Bahn locker zusammen, ohne harte Knicke zu erzeugen, und lassen sie einige Minuten einweichen. Diese sogenannte Weichzeit führt dazu, dass die Raufasertapete sich ausdehnt und später an der Wand nicht mehr nachdehnt.

3. Bahn an die Wand bringen

Die vorbereitete Bahn wird oben an der Decke angesetzt, mit leichtem Überstand. Wir richten sie an der Senkrechtlinie aus und lassen sie langsam nach unten fallen. Mit einer Tapetenbürste oder einem weichen Andruckroller drücken wir die Raufasertapete von der Mitte nach außen an, um Luftblasen zu entfernen.

Wichtig ist, nicht zu stark zu reiben, damit die Struktur der Raufasertapete nicht beschädigt wird. Überschüssigen Kleister an den Rändern wischen wir sofort mit einem sauberen, leicht feuchten Tuch ab.

4. Nähte schließen und Überstände schneiden

Die nächste Bahn wird Kante an Kante angesetzt, ohne Überlappung. Raufasertapete klebt man in der Regel stoß an stoß. Mit einem Nahtroller fahren wir vorsichtig über den Stoß, um einen sauberen Abschluss zu erreichen. Anschließend schneiden wir die Überstände an Decke und Fußleiste mit einem scharfen Tapetenmesser und einer Tapezierschiene sauber ab.

Rund um Steckdosen, Heizungsrohre oder Fensterlaibungen arbeiten wir langsam und schneiden lieber mehrmals vorsichtig nach, statt einmal zu tief zu schneiden. Stromkreise sollten vor dem Arbeiten an Steckdosen stets abgeschaltet werden.

5. Trocknungszeit einhalten

Nach dem Kleben braucht Raufasertapete Zeit zum Trocknen. Während dieser Phase sollten Fenster geschlossen bleiben, damit es nicht zu Zugluft kommt. Zu schnelles Trocknen kann zu offenen Nähten oder Spannungsrissen führen. Erst wenn die Tapete vollständig trocken ist, darf gestrichen werden. Je nach Raumklima sind 24 Stunden ein guter Richtwert.

Raufasertapete streichen: Farbe, Werkzeuge und Technik

Das Streichen ist für viele der angenehmste Teil, weil hier die Raufasertapete ihren endgültigen Charakter erhält. Ob weiß oder farbig, matt oder seidenmatt, hängt vom Raumkonzept ab.

Passende Farbe für Raufasertapete wählen

Am besten eignen sich hochwertige Dispersionsfarben, oft auch als Wand- oder Innenfarbe bezeichnet. Sie sind atmungsaktiv, strapazierfähig und haften sehr gut auf Raufasertapete.

Für stark beanspruchte Bereiche wie Flure oder Küchen sind abriebfeste Qualitäten sinnvoll. Hier lohnt sich der Blick auf Angaben wie Nassabriebklasse oder Scheuerbeständigkeit, wie sie zum Beispiel in den Erläuterungen auf den Seiten des DIN-Instituts beschrieben werden.

Grundanstrich und Deckanstrich

Frisch verklebte Raufasertapete saugt relativ stark. Ein erster, leicht verdünnter Anstrich sorgt dafür, dass die Poren sich schließen. Anschließend folgt ein deckender Anstrich in der gewünschten Farbe.

Empfohlener Ablauf:

  • Erste Schicht etwas mit Wasser verdünnen, gleichmäßig auftragen
  • Trocknen lassen
  • Zweite Schicht unverdünnt oder nur minimal verdünnt aufbringen

Mit einer Lammfell- oder Microfaserrolle erreicht man die typischen Vertiefungen der Raufasertapete besonders gut. Ecken und Kanten werden vorab mit einem Pinsel vorgestrichen. Arbeiten wir immer “nass in nass”, um sichtbare Ansätze zu vermeiden.

Raufasertapete mehrmals überstreichen

Ein großer Vorteil von Raufasertapete ist die Möglichkeit, sie mehrfach zu überstreichen. Wer später einen Farbwechsel möchte, kann neue Farbschichten auftragen, solange die Oberfläche nicht zu stark zugesetzt ist. Nach vielen Anstrichen wirkt Raufasertapete jedoch schnell “zugespachtelt”. Dann kann es sinnvoll sein, bei einer Renovierung vollständig zu erneuern.

Häufige Probleme mit Raufasertapete und ihre Lösungen

Auch bei sorgfältiger Arbeit kann es zu kleinen Schwierigkeiten kommen. Viele davon lassen sich jedoch gezielt vermeiden oder nachträglich korrigieren.

Blasen und Falten

Blasen entstehen meist durch ungleichmäßiges Einkleistern oder Lufteinschlüsse. Kleine Blasen ziehen sich oft beim Trocknen von allein glatt. Bleiben sie bestehen, kann man mit einer feinen Nadel einstechen und etwas Kleister mit einem kleinen Pinsel oder einer Spritze hinter die Raufasertapete bringen. Anschließend vorsichtig andrücken.

Offene Nähte

Wenn Nähte aufgehen, wurde häufig zu wenig Kleister an den Rändern aufgetragen oder die Bahnen sind beim Trocknen geschrumpft. Hier helfen Nahtkleber oder nachträglich eingebrachter Kleister. Bei stark verschmutzten oder eingerissenen Stößen kann es nötig sein, Teilstücke der Raufasertapete zu ersetzen.

Verfärbungen und Flecken

Gelbliche Flecken deuten oft auf Nikotin, alte Wasserflecken oder Holzinhaltsstoffe hin, die durchschlagen. In solchen Fällen schützt eine Isoliergrundierung vor dem Streichen. Für typische Verschmutzungen auf Fliesen, Fugen oder anderen Bereichen abseits der Raufasertapete können spezialisierte Reinigungsprodukte hilfreich sein, wie sie etwa bei Anbietern für Fugenreinigungslösungen genutzt werden.

Raufasertapete im Gesamtprojekt: Planung und Ablauf

Bei einer größeren Renovierung ist Raufasertapete oft nur ein Baustein. Wer gleichzeitig Elektro, Balkon oder Trockenbau bearbeitet, sollte die Reihenfolge sinnvoll planen. Netzwerkkabel oder Glasfaserleitungen im Haus werden besser vor dem Tapezieren verlegt, damit keine frisch gestrichenen Wände wieder aufgestemmt werden müssen.

Ähnlich gilt bei Außenelementen wie einer Balkonsanierung: Zuerst sollten alle strukturellen Arbeiten abgeschlossen sein, bevor im Innenraum neue Raufasertapete angebracht und gestrichen wird. So bleibt die neue Wandgestaltung lange unbeschädigt.

Pflege, Reinigung und spätere Renovierung

Raufasertapete ist pflegeleicht. Staub lässt sich meist mit einem trockenen Tuch oder feinem Besen abnehmen. Leichte Verschmutzungen können vorsichtig mit einem leicht feuchten Schwamm und etwas milder Seifenlösung behandelt werden, sofern die verwendete Farbe entsprechend widerstandsfähig ist.

Für eine spätere Renovierung reicht es oft, kleine Macken zu spachteln, leicht zu schleifen und danach erneut zu streichen. Wenn die Struktur der Raufasertapete stark gequetscht oder an vielen Stellen beschädigt ist, lohnt sich ein kompletter Austausch.

Fazit: Raufasertapete kleben und streichen wie ein Profi

Wer Raufasertapete sorgfältig klebt und fachgerecht streicht, erhält eine langlebige, vielseitige und optisch ausgewogene Wandoberfläche. Die Kombination aus guter Untergrundvorbereitung, passender Raufasertapete, korrekt angerührtem Kleister und qualitativ hochwertiger Wandfarbe entscheidet über das Ergebnis. Raufasertapete bleibt deshalb eine der verlässlichsten Lösungen für harmonische, anpassungsfähige Wände, die sich jederzeit neu streichen und an veränderte Wohnwünsche anpassen lassen.

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